Um den alten Post, in dem ich über die Folgen der General Election hier in England sinniere, und der jetzt schon ein paar Tage von der Realität überholt ist, nach unten zu drängen, schreibe ich einfach mal auf, was hier so in den letzten Tagen passiert ist.
So einen beschwingt geschwätzigen Post fängt man natürlich mit einer Bemerkung über das Wetter an: Während man in Deutschland die letzten Tage zwischen grauer Dauerbeschichtung und Weltuntergangsgüssen wählen konnte, hatten wir hier richtig pralles Sommerwetter. Knapp 29 °C wurden in London gemessen, mehr als in Rom und Cannes, und ganz England strömt an die Küsten. Bzw. hier, wo wir schon an der Küste sind, setzen sich alle Leute auf die Wiese mit ihren Instant-Grillapparaten. Wir dann auch, und ich habe mir richtig gutes Beef und Lamm gegönnt. Dazu Nudelsalat, und das Champions-League Finale. Immerhin hat es allen gut geschmeckt.
Die Uni befindet sich momentan in einer merkwürdigen Zwischenphase: Die Kurse sind schon ein paar Wochen zu Ende, und für mich auch schon zwei der drei einzureichenden Hausarbeiten. Noch sind die meisten CCC-Kommilitonen zwar noch hier vor Ort, aber man sieht sich nicht mehr täglich – und weiß, dass in ein paar Tagen sich dann alles endgültig in alle Himmelsrichtungen zerstreuen wird: Anfang Juni ist noch einmal ein Social-Treffen unseres Studiengangs in der Student Union, am 6.6. die letzte Abgabefrist für Hausarbeiten. Und das war er dann auch wohl, unser CCC-Master.
Danach geht es dann auf die WM zu. Man spürt schon, wie es Tag für Tag spannender wird, vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein. Der Pub auf der anderen Straßenseite hat eine Tafel draußen auf den Gehweg gestellt, auf dem tapfer die Tage zur WM runtergezählt werden. Und immer mehr Fahnen tauchen auf, in Pubfenstern sowieso, natürlich nicht der Union Jack, sondern das rote Kreuz auf weißem Grund, ursprünglich verpönt wie das Zeigen der Deutschlandfahne bei uns, aber beim Fußball inszwischen eingebürgert. Unsere brasilianischen Kommilitionen haben sich das offizielle FIFA-Klebebildchen-Sammelheft gekauft, “eine Tradition bei uns, so haben wir uns damals auch kennengelernt.” Mit den Engländern diskutieren wir die Zusammensetzung der Teams, die Stärken und Schwächen der einzelnen Positionen. “Schaffen wir es ins Halbfinale? – Nur, wenn wir nicht gegen Deutschland müssen.” Bald ist es soweit…
Und ich? Ich warte momentan auf einen neuen Laptop. Während der Hitzewelle am Wochenende ist meiner gar nicht mehr angegangen, was unpraktisch ist wenn man an dem Gerät arbeiten muss. Ich hab mich zum Import eines Geräts aus Deutschland entschieden, dass wider Erwarten günstiger ist als vergleichbare Ware hier vor Ort, vor allem, weil es sich um einen kleinen Händler mit eigener Marke handelt. Bis ich das Ding hier in der Hand halte gibt es aber keine Bewertung, und ich warte noch mit gemischten gefühlen: Zwar kann man mit den Leuten nett telefonieren, und landet auch direkt im Büro und nicht an irgendeiner ausgelagerten Hotline-Tristesse, aber ein bisschen überfordert scheinen die guten zu sein. Jedenfalls war der ursprünglich angesagte Liefertermin letzten Freitag, und Mails werden im Moment auch nur verzögert beantwortet. Schaunmamal.
Ansonsten ist gestern das Lost-Finale über die Bühne gelaufen, und somit auch unsere Lost-Abende mit Kommilitonen. Ich werde mich die nächsten Tage wieder hier eingraben, Hausarbeiten schreiben und in den Pausen auf den neuen Laptop warten. Nur am kommenden Samstag ist schon fest eingeplant vor die Tür zu gehen – da gibt es einen großen Aufmarsch der EDL in Newcastle, und die sind ein bisschen so wie die Kameradschaften in Deutschland: auf jeden Fall eine Gegendemonstration wert.
Davon ab werden die nächsten Tage aber erst einmal ruhig.